Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR)
Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) ist eine Art nationale Buchhaltung. Sie setzt sich zum Ziel, die wirtschaftliche Leistung eines Landes so realistisch wie möglich zu messen.
Die VGR der Schweiz basiert seit 2014 auf dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010). Die Erhebungsmethoden werden laufend verbessert. Alle fünf Jahre erfolgt eine «Benchmark-Revision» und alle zehn Jahre eine Totalrevision (Revision konzeptioneller Art).
Eine zentrale Messgrösse ist das Bruttoinlandprodukt (BIP). Es misst die im Inland erbrachte Wirtschaftsleistung, also auch jene der ausländischen Grenzgänger in der Schweiz, nicht aber jene der inländischen Grenzgänger im Ausland. Man spricht vom Inlandprinzip.
Das weniger beachtete Bruttonationaleinkommen (BNE) - wir gehen ganz am Schluss darauf ein - wird nach dem Inländerprinzip ermittelt.
BIP Schweiz 1980 ff.: Totalrevision 2025
Im Rahmen einer Totalrevision publizierte das Bundesamt für Statistik am 29.09.2025 neue Zeitreihen. Verbesserungen der Berechnungsmethoden und der Einbezug neuer Datenquellen haben für den Zeitraum 1980 bis 2024 eine Korrektur des BIP zu laufenden Preisen von +1,10% (2000) bis +3,78% (2023) ergeben.
Für das Jahr 2024 wird anstelle des «alten» BIP von CHF 824.743 Mia. ein solches von CHF 854.211 Mia. ausgewiesen. Reicher ist die Schweiz dadurch nicht geworden – sie kann sich aber so fühlen (NZZ vom 30.09.2025).
Auf Basis der neuen Datenreihe ist das BIP von Ende 1980 bis Ende 2025 um durchschnittlich 3,22% pro Jahr (p.a.) gewachsen. Bis Ende 2024 rechnet sich für die neue Datenreihe ein jährliches Wachstum von 3,26% und für die alte Datenreihe ein solches von 3,21%.

Neben dem nominellen BIP publiziert das Bundesamt für Statistik (BfS) bzw. das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) auch eine Datenreihe für das teuerungsbereinigte, reale BIP. Die Bereinigung erfolgt nicht etwa mithilfe des Landesindexes der Konsumentenpreise (LIK), sondern mithilfe des BIP-Deflators. Er erfasst alle BIP-Komponenten: den Privatkonsum, den Staatskonsum, die Investitionen und den Export/Import.
Nimmt man als Preisbasis das nominelle BIP für das Jahr 1980 (208.313 Mia.), weist das reale BIP Ende 2025 eine Wirtschaftsleistung von 458.459 Mia. aus. Das folgende Diagramm macht die Entwicklung der beiden Zeitreihen, ergänzt um jene der ständigen Wohnbevölkerung, transparent.

Das mittlere reale BIP-Wachstum beträgt 1,90% p.a. Das sind 1.32 Prozentpunkte weniger als beim nominellen BIP (3,22%). Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz ist von Ende 1980 bis Ende 2025 um durchschnittlich 0,81% p.a. gewachsen, von 6.335 Mio. auf 9.124 Mio.
BIP Schweiz 1948 ff.: Näherungsweise Rückrechnung
Öffentlich verfügbar sind nur noch die Zahlenreihen seit 1980. Anhand alter Reihen und mithilfe von OECD-Daten ist eine näherungsweise Rückrechnung von Jahresdaten bis ins Jahr 1948 möglich.
Hier das Ergebnis:

Das mittlere BIP-Wachstum rechnet sich nominell mit 4,83% p.a. und real mit 2,44%. Das sind deutlich höhere Werte als für den Zeitraum 1980 bis 2025 (nominell: 3,22%, real: 1,90%). Das Wachstum der ständigen Wohnbevölkerung seit 1948 fällt etwas höher aus als seit 1980 (0,89% zu 0,81%).
BIP Schweiz 1990 ff.: Verwendungsansatz
Das BIP wird nach drei Ansätzen (Methoden) berechnet und plausibilisiert: dem Verwendungsansatz, dem Einkommensansatz und dem Produktionsansatz. Daten zu allen drei Messmethoden sind seit 1990 verfügbar.
Nach dem Verwendungsansatz entspricht das BIP der Summe aus Privatkonsum (C), Staatskonsum (G), Investitionen (I) und Netto-Exporten (NX).
Der Privatkonsum (C) umfasst die Ausgaben der Privaten Haushalte und Privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POoE) für Konsumgüter und Dienstleistungen (Nahrungsmittel, Bekleidung, Wohnen, Hausrat, Gesundheit, Verkehr, Information/Kommunikation, Freizeit, usw.).
Der Staatskonsum (G) steht für den Konsum von staatlich bereitgestellten Konsumgütern und Dienstleistungen. Man unterscheidet zwischen Kollektivkonsum (z.B. Verwaltung, Polizei, Armee) und Individualkonsum (z.B. Unterricht, Gesundheit, Kultur, Sport, Erholung).
Die Investitionen (I) erfassen die Bauinvestitionen (Hoch- und Tiefbau) einerseits und die Ausrüstungsinvestitionen (z.B. Maschinen, Fahrzeuge, EDV-Anlagen) andererseits.
Der Netto-Export (NX) entspricht dem Saldo aus Export (X) und Import (M) von Waren und Dienstleistungen.
Für das Jahr 2025 hat das SECO am 01.06.2026 folgende Werte publiziert: C (429.684 Mia.), G (105.014 Mia.), I (255.178 Mia.), NX (77,910 Mia.). Das BIP 2025 summiert sich so auf 867.786 Mia.

Seit 1990 hat der Privatkonsum (C) von 198.826 Mia. auf 429.684 Mia. zugelegt. Das sind durchschnittlich 2,23% pro Jahr (p.a.). Der Staatskonsum (G) verzeichnet einen Zuwachs von 41.075 Mia. auf 105.014 Mia. (+2,72% p.a.). Die Investitionen (I) haben sich von 135.895 Mia. auf 255.178 Mia. erhöht (+1,82% p.a.).
Die Nettoexporte (NX) 2025 werden, wie bereits erwähnt, mit CHF 77.910 Mia. rapportiert. Die Schweiz hat mithin deutlich mehr exportiert als importiert. Wie bedeutend der grenzüberschreitende Waren- und Dienstleistungsverkehr tatsächlich ist, zeigt das folgende Diagramm. Im Jahr 2025 hat die Schweiz sage und schreibe Waren und Dienstleistungen im Wert von 681.484 Mia. exportiert. Die Importe stehen mit 603.574 Mia. zu Buche.

Seit 1990 sind die Exporte (X) pro Jahr um durchschnittlich um 4,38% gestiegen, die Importe (M) um 4,00%.
BIP Schweiz 1990 ff.: Einkommensansatz
Nach dem Einkommensansatz entspricht das BIP der Summe aus Arbeitnehmerentgelt (L), Unternehmensgewinnen (E), Abschreibungen (A) bzw. Ersatzinvestitionen und dem Saldo (T-S) aus Steuern (T) und Subventionen (S).
Im Jahr 2025 werden die Arbeitnehmerentgelte (L) mit 499.629 Mia. ausgewiesen, die Unternehmensgewinne (E) mit 130.463 Mia., die Abschreibungen (A) mit 217.239 Mia. und der Saldo (T-S) aus Steuern (Gütersteuern/Zölle: 45.731 Mia.) und Subventionen (25.276) mit 20.455 Mia.

Seit 1990 haben die Arbeitnehmerlöhne (L) um 2,60% p.a. zugelegt, die Unternehmensgewinne (E) um 1,44% p.a., die Abschreibungen (A) um 2,75% p.a. und der Saldo aus Steuern (T) und Subventionen (S) um 2,70% p.a. (Steuern: +2,61% p.a., Subventionen: +2,53% p.a.).
BIP Schweiz 1990 ff.: Produktionsansatz
Der Produktionsansatz legt die Beiträge der Sektoren Landwirtschaft, Industrie/Bau und Dienstleistungen offen. Dazu kommen die «Transferleistungen» zwischen Staat und Privatwirtschaft bzw. der Saldo aus Steuerabgaben und Subventionsleistungen.
Die sektoriellen Beitragsleistungen für das Jahr 2025 präsentieren sich wie folgt: Landwirtschaft (5.592 Mia.), Industrie/Bau (216.696 Mia.), Dienstleistungen (623.586 Mia.), Saldo aus Steuern/Subventionen (21.911 Mia.).

Seit 1990 ist der BIP-Beitrag der Landwirtschaft von 7.778 Mia. auf 5.592 Mia. gesunken (-28,10%). Der Beitrag des Sektors Industrie/Bau ist von 112.531 Mia. auf 216.696 Mia. gestiegen (+92,57%) und jener des Dienstleistungssektors von 244.694 Mia. auf 623.586 Mia. (+154,84%).
BNE Schweiz 1990 ff.: Bruttonationaleinkommen
Das BIP – wir haben es eingangs erwähnt – wird nach dem Inlandprinzip erhoben.
Zur Wirtschaftsleistung nach dem Inländerprinzip gelangt man, indem das BIP um den Saldo aus grenzüberschreitenden Arbeits- und Kapitaleinkommen korrigiert wird. Im Jahr 2025 waren dies –31.983 Mia. (Arbeit) bzw. –10.752 Mia. (Kapital). Ergänzt um +0.470 Mia. aus Produktions- und Importabgaben, resultiert ein Negativ-Saldo von –42.265. Bei einem BIP 2025 von 867.786 Mia. ergibt sich so das Bruttonationaleinkommen (BNE) 2025 von 825.520 Mia. (867.786 –42.265).
Im Jahr 2025 arbeiteten durchschnittlich 409'236 ausländische Grenzgänger in der Schweiz, davon rund 236'355 aus Frankreich, 92'260 aus Italien, 67'460 aus Deutschland und 8'840 aus Österreich. Sie lösten im Jahr 2025 ein Arbeitsentgelt von 35.375 Mia.. Umgekehrt verdienten Inländer im Ausland (z.B. im Fürstentum Liechtenstein) 3.491 Mia.
Der Saldo 2025 aus Kapital- bzw. Vermögenseinkommen ergibt sich aus einem grenzüberschreitenden Zufluss von 184.866 Mia. und einem Abfluss von 195.619 Mia.

Der Saldo aus Kapital- bzw. Vermögenseinkommen unterliegt starken Schwankungen. Das grösste Plus (+17.201 Mia.) ergab sich im Jahr 1990, das grösste Minus (–15.777 Mia.) im Jahr 2016.
Der Saldo aus Arbeitseinkommen hat sich von 1990 (–22.709 Mia.) bis 2025 (–31,983 Mia.) mehr oder minder kontinuierlich erhöht. Leicht rückgängig war der Saldo von 2003 bis 2006 und in den letzten beiden Jahren (2024, 2025).
Voraussichtliches Update:
Juni 2027