Schulden von Unternehmen und Privaten steigen stärker als das bip

In der Schweiz hat es die öffentliche Hand (Bund, Kantone, Gemeinden) nach 2004 geschafft, den Anstieg der Staatsverschuldung zu stoppen. Ja es ist der öffentlichen Hand sogar gelungen, Schulden abzubauen. Die Corona-Pandemie hat diesen Prozess zwar unterbrochen, mit etwas Glück aber nur vorübergehend.

Ganz anders präsentiert sich die Situation bei den Unternehmen und bei den Privaten Haushalten. Die Schulden wachsen munter weiter; sie wachsen insbesondere deutlich stärker als das Bruttoinlandprodukt (BIP)!

Besonders ausgeprägt ist der Anstieg der Unternehmensschulden in Form von Schuldtiteln und Krediten. Vom 31.12.2001 bis zum 31.12.2021 haben die Schulden der nicht finanziellen Unternehmen, also jener ausserhalb des Finanzsektors (Banken, Versicherungen, Anlagefonds), um mehr als 150% (+157,86%) zugelegt, konkret von CHF 403.747 Mia. auf CHF 1'041.105 Mia. Die Schuldenquote (Unternehmensschulden in Relation zum BIP) hat sich von 83,21% auf 140,21% erhöht. Wie die Finanzierungsrechnung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) offenlegt, haben sich die Unternehmen in der Schweiz massgeblich bei ihren Mutter-/Tochtergesellschaften im Ausland refinanziert. Rund die Hälfte des Schuldenwachstums der letzten zwanzig Jahre gehört in diese Kategorie.

Auch die Verschuldung der Privaten Haushalte (inkl. Private Organisationen ohne Erwerbszweck, POoE) schreitet unaufhaltsam voran, von CHF 480.894 Mia. (Ende 2001) auf CHF 964.740 (Ende 2021). Rechnete sich Ende 2001 noch eine Privatschuldenquote (Schulden der Privaten Haushalte und POoE im Verhältnis zum BIP) von 99,11%, lag diese Ende 2021 bei 129,92%.

Die Entwicklung der Staats-, Unternehmens- und Privatverschuldung seit 2001 präsentiert sich wie folgt:

    Ausgesprochen hohe Hypothekarverschuldung der privaten Haushalte

    Per 31.12.2021 summierten sich die Kredite der Privaten Haushalte (ohne POoE) auf CHF 950.227 Mia. Davon waren CHF 899.008 Mia. Hypotekarkredite, CHF 17.677 Konsumkredite (Kleinkredite, Leasingverpflichtungen) und CHF 33.542 Mia. übrige Kredite (v.a. Lombardkredite). Als Hypothekarkreditgeber stehen die Banken mit einem Marktanteil von rund 92,50% unangefochten an erster Stelle, gefolgt von den Versicherungen (inkl. Pensionskassen).

    Die hypothekarische Pro-Kopf-Verschuldung per 31.12.2021 rechnet sich mit CHF 102'919.65.

    Die Verpflichtungen der Privaten Haushalte (Kredite plus «sonstige Verpflichtungen» haben sich in den letzten zwanzig Jahren wie folgt entwickelt:

      Schweiz mit der weltweit höchsten Privatschuldenquote

      Mit einer Privatschuldenquote (inkl. POoE, ohne sonstige Verpflichtungen) von 131,0% steht die Schweiz per 30.09.2021 weltweit an erster Stelle! Laut Erhebungen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weisen - ausser der Schweiz - nur noch Australien (119,3%) , Canada (108,8%), Dänemark (106,2%), Norwegen (105,7%) und die Niederlande da (102,2%) Privatschuldenquoten von mehr als 100% aus.

      Bemerkenswert ist die Divergenz zwischen Staats- und Privatschuldenquote: Japan, Griechenland und Italien, die bei der Staatsschuldenquote die Plätze 1, 2 und 3 belegen, weisen Privatschuldenquoten von weniger als 70% aus (Japan: 66,9%, Griechenland: 56,9%, Italien: 43,8%). Man könnte fast meinen, dass hohe Staatsschuldenquoten argwöhnisch machen und Private Haushalte anhalten, sich nicht allzusehr zu verschulden.

      Hohen privatschulden stehen in der Schweiz hohe Vermögen gegenüber

      Die Privaten Haushalte in der Schweiz sind zwar eine Art «Schulden-Weltmeister» . Sie sind aber auch so etwas wie «Vermögens-Weltmeister». So weist die Finanzierungsrechnung der SNB für die Privaten Haushalte (ohne POoE) per Ende 31.12.2021 ein Finanzvermögen von CHF 3'036.896 Mia. und ein Immobilienvermögen von weiteren CHF 2'382.099 Mia. aus.  Nach Abzug der Kreditschulden von CHF 950.227 Mia. bleibt ein Reinvermögen von CHF 4'468.768 Mia. Berücksichtigt man auch die übrigen Verpflichtungen von CHF 16.368 Mia., rechnet sich ein Reinvermögen von CHF 4'452.400 Mia. Pro Kopf der ständigen Wohnbevölkerung sind dies CHF 511'590.60 bzw. CHF 509'716.78!

        Erfahren Sie mehr zum Finanz- und Immobilienvermögen der Privaten Haushalte auf der Seite Privatvermögen Schweiz!

        Voraussichtliches Update: Ende Mai 2023