Schulden von Unternehmen und Privaten steigen stärker als das bip

In der Schweiz hat es die öffentliche Hand (Bund, Kantone, Gemeinden) nach 2004 geschafft, den Anstieg der Staatsverschuldung zu stoppen. Ja es ist der öffentlichen Hand sogar gelungen, Schulden abzubauen. Die Corona-Pandemie wird diesen Prozess zwar unterbrechen, mit etwas Glück aber nicht wirklich aufhalten. Ganz anders präsentiert sich die Situation bei den Unternehmen und bei den Privaten Haushalten. Die Schulden wachsen munter weiter; sie wachsen insbesondere deutlich stärker als das Bruttoinlandprodukt (BIP)!

Besonders ausgeprägt ist der Anstieg der Unternehmensschulden in Form von Schuldtiteln (Zinspapieren) und Krediten nach 2004. Vom 31.12.2004 bis zum 31.12.2020 haben sich die Schulden der nicht finanziellen Unternehmen, also jener ausserhalb des Finanzsektors (Banken, Versicherungen, Anlagefonds), mehr als verdoppelt (+136,59%)! Im selben Zeitraum ist das BIP gerade einmal um 39,32% gewachsen. Wie die Finanzierungsrechnung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) offenlegt, haben sich die Unternehmen in der Schweiz massgeblich bei ihren Mutter-/Tochtergesellschaften im Ausland refinanziert. Rund die Hälfte des Schuldenwachstums seit Ende 2004 gehört in diese Kategorie.

Auch die Verschuldung der Privaten Haushalte (inkl. Private Organisationen ohne Erwerbszweck, POoE) schreitet unaufhaltsam voran. Rechnete sich Ende 2000 noch eine Privatschuldenquote (Schulden der Privaten Haushalte im Verhältnis zum BIP) von 103,57%, lag diese Ende 2020 bei 132.67%.

Anhand der Datenbasis der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) präsentiert sich die Entwicklung wie folgt:

    Ausgesprochen hohe Hypothekarverschuldung der privaten Haushalte

    Per 31.12.2020 summierten sich die Kredite der Privaten Haushalte (ohne POoE) auf CHF 917.237 Mia. Davon waren CHF 869.006 Mia. Hypotekarkredite, CHF 17.656 Konsumkredite (Kleinkredite, Leasingverpflichtungen) und CHF 30.575 Mia. übrige Kredite (v.a. Lombardkredite). Als Hypothekarkreditgeber stehen die Banken mit einem Marktanteil von rund 92,50% unangefochten an erster Stelle, gefolgt von den Versicherungen (inkl. Pensionskassen). Die sonstigen Verpflichtungen stehen mit CHF 16.328 Mia. zu Buche.

    Die hypothekarische Pro-Kopf-Verschuldung rechnet sich mit CHF 100'254.71.

      Schweiz mit der weltweit höchsten Privatschuldenquote

      Mit einer Privatschuldenquote (inkl. POoE, ohne sonstige Verpflichtungen) von 131,0% steht die Schweiz per 30.09.2020 weltweit an erster Stelle! Laut Erhebungen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weisen - ausser der Schweiz - nur noch Australien (122,6%) , Norwegen (112,8%), Dänemark (112,3%), Canada (110,4%) und die Niederlande (104,0%) Privatschuldenquoten von mehr als 100% aus.

      Bemerkenswert ist die Divergenz zwischen Staats- und Privatschuldenquote: Japan, Griechenland und Italien, die bei der Staatsschuldenquote die Plätze 1, 2 und 3 belegen, weisen Privatschuldenquoten von weniger als 65% aus (Japan: 64,3%, Griechenland: 59,2%, Italien: 44,4%). Man könnte fast meinen, dass hohe Staatsschuldenquoten argwöhnisch machen und Private Haushalte anhalten, sich nicht allzusehr zu verschulden.

      Hohen privatschulden stehen in der Schweiz hohe Vermögen gegenüber

      Die Privaten Haushalte in der Schweiz sind zwar eine Art «Schulden-Weltmeister» . Sie sind aber auch so etwas wie «Vermögens-Weltmeister». So weist die Finanzierungsrechnung der SNB für die Privaten Haushalte (ohne POoE) per Ende 31.12.2020 ein Finanzvermögen von CHF 2'851.131 Mia. und ein Immobilienvermögen von weiteren CHF 2'211.813 Mia. aus.  Nach Abzug der Kreditschulden von CHF 917.237 Mia. bleibt ein Reinvermögen von CHF 4'145.707 Mia. Berücksichtigt man auch die übrigen Verpflichtungen von CHF 16.328 Mia., rechnet sich ein Reinvermögen von CHF 4'129.379 Mia. Pro Kopf der ständigen Wohnbevölkerung sind dies CHF 478'278.22 bzw. CHF 476'394.51!

        Erfahren Sie mehr zum Finanz- und Immobilienvermögen der Privaten Haushalte auf der Seite Privatvermögen Schweiz!

        Voraussichtliches Teilupdate: Mitte Juli 2021