Privatschulden schweiz steigen stärker als das bip

Während es in der Schweiz der öffentlichen Hand (Bund, Kantone, Gemeinden, Sozialversicherungen) mehr und mehr gelingt, die Staatsschulden abzubauen, ist davon bei den Unternehmen und bei den Privaten Haushalten nichts zu sehen. Im Gegenteil: Die Schulden wachsen munter weiter; sie wachsen insbesondere deutlich stärker als das Bruttoinlandprodukt (BIP)!

Besonders ausgeprägt ist der Anstieg der Unternehmensschulden in Form von Schuldtiteln (Zinspapieren) und Krediten nach 2006. Vom 31.12.2006 bis zum 31.12.2017 haben sich die Schulden der nicht finanziellen Unternehmen, also jener ausserhalb des Finanzsektors (Banken, Versicherungen, Anlagefonds), mehr als verdoppelt (+117,64%)! Im selben Zeitraum ist das BIP gerade einmal um 23,70% gewachsen. Wie die Finanzierungsrechnung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) offenlegt, haben sich die Unternehmen in der Schweiz massgeblich bei ihren Mutter-/Tochtergesellschaften im Ausland refinanziert. Fast 60% des Schuldenwachstums seit Ende 2006 gehört in diese Kategorie.

Auch die Verschuldung der Privaten Haushalte (inkl. Private Organisationen ohne Erwerbszweck, POoE) schreitet unaufhaltsam voran. Betrug die Privatschuldenquote − ich meine damit die Schulden der Privaten Haushalte im Verhältnis zum BIP − im Jahr 2000 noch 103,4%, lag diese Ende 2007 bei 127,9%. Ob diese Entwicklung gesund ist, darf zumindest infrage gestellt werden.

Wir wollen uns im Folgenden die Verschuldung der Privaten Haushalte etwas näher anschauen.

    Ausgesprochen hohe Hypothekarverschuldung der privaten Haushalte

    Per Ende 2017 summierten sich die Kreditverpflichtungen der Privaten Haushalte auf CHF 854.968 Mia. Davon waren CHF 807,357 Mia. Hypotekarkredite, CHF 15,897 Konsumkredite (Kleinkredite, Leasingverpflichtungen) und CHF 31.714 Mia. Übrige Kredite (v.a. Lombardkredite). Als Hypothekarkreditgeber stehen die Banken mit einem Marktanteil von rund 92,50% unangefochten an erster Stelle, gefolgt von den Versicherungen (inkl. Pensionskassen). Die Pro-Kopf-Verschuldung, gemessen an der ständigen Wohnbevölkerung von 8.484 Mio. per 31.12.2017,  rechnet sich mit CHF 100'772.60. 

      Schweiz mit der weltweit höchsten Privatschuldenquote

      Mit einer Privatschuldenquote von 127,9% steht die Schweiz weltweit an erster Stelle! Laut Erhebungen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weisen - ausser der Schweiz - nur noch Australien (121,0%) , Dänemark (116,4%), die Niederlande (105,5%), Norwegen (101,5%) und Canada (100,6%) Privatschuldenquoten von mehr als 100% aus.

      Bemerkenswert ist die Divergenz zwischen Staats- und Privatschuldenquote: Japan, Griechenland und Italien, die bei der Staatsschuldenquote die Plätze 1, 2 und 3 belegen, weisen Privatschuldenquoten von weniger als 60% aus (Japan: 57,2%, Griechenland: 56,4%, Italien: 41,6%). Man könnte fast meinen, dass hohe Staatsschuldenquoten argwöhnisch machen und Private Haushalte anhalten, sich nicht allzusehr zu verschulden.

      Hohen privatschulden stehen in der Schweiz hohe Vermögen gegenüber

      Die Privaten Haushalte in der Schweiz sind zwar eine Art «Schulden-Weltmeister» − sie sind im Gegenzug aber wohl auch so etwas wie «Vermögens-Weltmeister». So weist die Finanzierungsrechnung der SNB für die Privaten Haushalte per Ende 2017 ein Finanzvermögen CHF 2'560.7 Mia. und ein Immobilienvermögen von weiteren CHF 2'023.7 Mia. aus. Pro Kopf rechnet sich ein Finanzvermögen von CHF 301'821.50 und ein Immobilienvermögen von CHF 238'522.50. Unter dem Strich bleibt ein Reinvermögen pro Kopf von CHF 439'571.40!!!

        Erfahren Sie mehr zum Finanz- und Immobilienvermögen der Privaten Haushalte auf der Seite Privatvermögen Schweiz!

        Voraussichtliches Update: Mitte Dezember 2019