Grundregeln der gELDANLAGE

Theorie und Praxis der Geldanlage betonen unisono die zentrale Bedeutung folgender vier Grundregeln:

1.  Das Eingehen von Risiko wird auf lange Sicht belohnt.
2. Diversifikation reduziert das Risiko.
3. Je länger der Anlagehorizont, desto höhere Risiken sind vertretbar.
4. Gleichmässige Einzahlungen reduzieren das Risiko.

Auf der Basis ausgewählter Anlageklassen (Geldmarkt/Liquidität, Obligationen Schweiz, Aktien Schweiz, Aktien USA, Gold) wollen wir im Folgenden untersuchen, ob unsere langen Datenreihen die Regel 1, die Regel 2 und die Regel 3 bestätigen.

Das Eingehen von Risiko wird auf lange Sicht belohnt

Mit Referenzwährung CHF haben unsere fünf Assetklassen wie folgt performt:

    Wie ersichtlich, hat sich die Einmaleinlage von CHF 100.00 in den US-Aktienmarkt vom 31.12.1925 bis zum 31.12.2017 am besten entwickelt. Der Endwert beträgt CHF 127'265.05! Im Betrachtungszeitraum überzeugt hat aber auch der CH-Aktienmarkt (Endwert: CHF 102'898.33). Vergleichsweise ernüchternd schneiden Geldmarktanlagen Schweiz (Festgeld 3 Monate), Gold (CHF) und Obligationen Schweiz ab.

    Der Preis für den auf lange Sicht hohen Wertzuwachs von US- und CH-Aktien sind die starken Wertschwankungen. Das folgende Diagramm unterstreicht diesen Befund. Das Ausmass der Wertschwankungen und mithin das Risiko wird mit der jährlichen Standardabweichung (Jahresvolatilität) gemessen. Investoren mit einem langen Anlagehorizont (z.B. zehn, zwanzig Jahre und mehr) lassen sich von Marktturbulenzen nicht beirren und sitzen Verlustphasen einfach aus.

      Nimmt man das Gesamtergebnis der letzten 92 Jahre zum Nennwert, scheinen sich Regel 1 und Regel 3 für US- und CH-Aktien zu bestätigen. Auf lange Sicht hat sich das Eingehen von Risiko, d.h. die Inkaufnahme von hohen Wertschwankungen, gelohnt. Für Gold (mit Referenzwährung CHF) gilt dieser Zusammenhang – zumindest für die letzten 92 Jahre – nicht. Gemessen am Risiko, müsste die mittlere Rendite von Gold drei bis vier Prozentpunkte höher liegen.

      diversifikation reduziert das Risiko

      Nicht nur die Wertschwankungen unserer fünf Assetklassen weichen voneinander ab; auch das Auf und Ab der jeweiligen Wertentwicklung findet immer wieder zeitverschoben statt. Je geringer der Gleichlauf (Korrelation) verschiedener Assets oder Assetklassen, desto mehr macht es Sinn, sie einem Portfolio beizumischen. Die gezielte Kombination von Investments mit unterschiedlichen Rendite-/Risikoeigenschaften und möglichst geringem Gleichlauf nennt man Diversifikation. Wie das folgende Beispiel zeigt, ist auch die sogenannt «naive» Diversifikation alles andere als einfältig.  

        Die Aufteilung eines Portfolios in je 20% Geldmarkt/Liquidität (3-Monate-Festgeld), CH-Bonds, CH-Aktien, US-Aktien und Gold (CHF) hätte in den letzten 92 Jahren eine Durchschnittsrendite von beachtlichen 5,88% generiert; dies bei einer jährlichen Standardabweichung von moderaten 8,41%. Konkret: Eine gleichgewichtete Einmaleinlage von CHF 100.00 (je CHF 20.00) am 31.12.1925 hätte bei jährlichem Rebalancing bis zum 31.12.2017 einen Portfoliowert von CHF 19'253.15 generiert. Rebalancing bedeutet in unserem Beispiel, dass jeweils zu Jahresende die Portfolio-Anleile (je 20%) wieder «hergestellt» werden.

        Das folgende Beispiel macht den Erfolg einer «Balanced-Strategie» transparent:

          «Balanced» bedeutet in unserem Beispiel, dass der Obligationen- und der Aktienteil gleichgewichtet sind (je 40%): Der Obligationenteil (40%) besteht vollständig aus CH-Bonds, der Aktienteil  zu 25% aus CH- und zu 15% US-Aktien. Der Rest setzt sich zusammen aus Dreimonats-Festgeldern (15%) und Gold (5%).

          Weder die «naive» Diversifikation noch die «Balanced-Strategie» sind notabene im Sinne der Markowitz-Optimierung effizient. Es kann nicht überraschen, dass die Beimischung von Gold im Betrachtungszeitraum keinen Mehrwert schafft.