Kundengelder

Kundengelder wurden bis Ende 2014 in folgenden drei Passivpositionen ausgewiesen: Verpflichtungen gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform, Übrige Verpflichtungen gegenüber Kunden, Kassenobligationen.

Die seit 2015 gültigen Rechnungslegungsvorschriften für Banken, Effektenhändler, Finanzgruppen und -konglomerate unterscheiden nur noch zwischen Verpflichtungen aus Kundeneinlagen und Kassenobligationen. Aus den Einzelabschlüssen ist deshalb die Aufteilung in kündbare Gelder (Spar- und Anlagegelder) einerseits und Sicht- und Zeitgelder (übrige Verpflichtungen) anderseits nicht mehr ersichtlich. Das ist nicht wirklich ein Fortschritt. Schön, dass die SNB die Fortführung der Datenreihen trotzdem sicherstellt ...

Im Folgenden halte ich mich an die vertraute Dreiteilung in Spar- und Anlagegelder, Sicht- und Zeitgelder sowie Kassenobligationen.

Kundengeldsätze auf historischem Tief ...

Die durchschnittliche Verzinsung für Spargelder seit 1830 rechnet sich mit 3,29%, jene für Kassenobligationen seit 1870 mit 3,78% und jene für 3-Monats-Festgelder seit 1900 mit 2,34%. Seit es Zinsaufzeichnungen gibt, waren die Kundengeldsätze noch nie so tief wie im Jahre 2017.

    «Sparparadoxon» ...

    Eine besondere Art von Sparparadoxon lässt sich bei den Spar- und Anlagegeldern beobachten. Sinkende Zinsen führen zu einem Zufluss von Spar- und Anlagegeldern, steigende Zinsen zu einem Abfluss.

    Bis Ende 2017 hat sich ein bedeutendes Potential an «Wartegeldern» aufgestaut. Wartegelder fliessen ab, wenn «alternative» Investments (z.B. festverzinsliche Papiere, Aktien, Edelmetalle, usw.) eine angemessene risikoadjustierte Rendite verheissen.

      Hohe Wartegeldpositionen auf Sicht und auf Zeit ...

      Per 31.12.2017 weist die schweizerische Bankenstatistik Sicht- und Zeitgelder von insgesamt CHF 1'120.419 aus. Davon qualifizieren sich CHF 890.010 Mia. als Sicht- und CHF 230.408 Mia. als Zeitgelder.

      Über Sichtgelder (Kontokorrentguthaben) können die Bankkunden sofort verfügen. Aber auch Zeitgelder sind überwiegend kurzfristig angelegt. 55,70% der Zeitgelder haben eine Restlaufzeit von weniger als drei Monaten. Entsprechend hoch ist das Abrufrisiko.

        Sterben die Kassenobligationen aus ...?

        Im Jahr 1991 machten die Kassenobligationen noch 17,75% der Kundengelder aus (117.441 Mia. von 661.551 Mia.). Heute sind es gerade noch 0,53% (9.611 Mia. von 1'797.673 Mia.). Einerseits sind Kassenobligationen sehr zinssensitiv, anderseits haben sie in Form von Termingeldern (Zeitgelder mit Laufzeiten von Kassenobligationen) bankinterne Konkurrenz erhalten.