Wechselkurse und Kaufkraftparitätentheorie ...

Die Kaufkraftparitätentheorie (Purchasing Power Parity, PPP) unterstellt einen starken Zusammenhang zwischen Wechselkurs- und Teuerungsentwicklung. Wechselkurse, so die Hypothese, gleichen mittel- bis langfristig die unterschiedliche Entwicklung der Konsumentenpreise von Währungsgebiet zu Währungsgebiet aus. Diese Erklärung war bereits im 16. Jahrhundert bekannt und geht in ihrer heutigen Fassung auf den schwedischen Nationalökonomen Gustav Cassel (1866–1945) zurück.

Kaufkraftparität ist gegeben, wenn ein Wechselkurs (z.B. USD/CHF) hüben wie drüben dieselbe Kaufkraft verleiht. Kostet ein bestimmter Warenkorb in der Schweiz bspw. CHF 460.00 und in den Vereinigten Staaten von Amerika USD 400.00, wäre Kaufkraftparität bei einem Wechselkurs USD/CHF von 1.15 gegeben. Schlägt nun der Preis für diesen Warenkorb in den USA um 5,00% auf, in der Schweiz aber bloss um 2,00%, müsste – damit weiterhin Kaufkraftparität gilt – der Wechselkurs USD/CHF um rund 3,00% nachgeben, genau von 1.1500 auf 1.1171.

Das folgende Diagramm vom Mai 2017 veranschaulicht die Kaufkraftparitätentheorie am Beispiel USD/CHF. Die Paritätskurslinie steht für die theoretisch richtige (faire) Wechselkursentwicklung. Sie hat einen fallenden Verlauf, weil die Teuerung in den USA seit 1980 meist höher lag als in der Schweiz. Nur gerade zwischen 1990 und 1993 lag die Inflationsrate der USA unter jener der Schweiz. Notieren USD/CHF oberhalb der Paritätskurslinie, gelten USD als zu teuer (überbewertet), andernfalls als zu billig (unterbewertet). Im August 2011 notierten USD/CHF im Monatsmittel mit 0.78. Das waren 35 Rappen weniger als der faire Wechselkurs USD/CHF von 1.13. Aus der CHF-Optik waren US-Dollar viel zu billig, aus der USD-Optik der Schweizer Franken viel zu teuer. Im Mai 2017 notierten USD/CHF (Mai-Mittelkurs: 0.9867) gut vier Rappen unter dem fairen Wert (1.03)!

Die praktische Umsetzung ist schwierig. Der faire Wechselkurs lässt sich höchstens näherungsweise bestimmen. Die im Diagrammtitel erwähnte Basis (z.B. April 1992) steht für den Zeitpunkt (Monat), für den der Autor Kaufkraftparität unterstellt hat.

    USD/CHF notierten im Betrachtungszeitraum (31.12.1979–31.05.2017) kaum je zum Kaufkraftparitätskurs. Es lassen sich sogar Phasen ausmachen, in denen der USD zum Schweizer Franken deutlich über- bzw. unterschossen hat. Trifft es zu, dass die Paritätskurslinie den langfristigen Trend angibt und der Wechselkurs (hier USD/CHF) über kurz oder lang diesem Trend folgt, lassen sich Über- bzw. Unterbewertungen gewinnbringend nutzen. Ein unterbewerteter USD eröffnet die Chance, ein USD-Engagement (z.B. in US-Zinspapieren) aufzubauen oder zu erhöhen. Es können aber auch USD auf Termin gekauft und das Termingeschäft bei Bedarf solange verlängert (gerollt) werden, bis die Rechnung (allenfalls) aufgeht. Ein überbewerteter USD kann zum Entscheid führen, den Bestand an USD-Investments zu verkaufen oder zu verringern. Ebenso können USD auf Termin verkauft werden.

    Auszug (leicht modifiziert) aus Theorie und Praxis der Geldanlage, Band 1, Seite 184 ff.