Schweizer Large caps schlagen small und mid caps ...

Im Juni/Juli ist Bemerkenswertes passiert. Der Swiss Market Index (SMI) hat vom 31.05.2018 (SMI: 8'456.96) bis zum 31.07.2018 (SMI: 9'174.33) um nicht weniger als 8,48% zugelegt. Befeuert wurde dieser Anstieg durch die "Grossen Drei" (Novartis: +10,57%, Roche GS: +10,20%, Nestlé: +4,94%). Konkret: Die SMI-Performance im Juni/Juli ist zu rund 75% den drei Grossgewichten geschuldet. Der Swiss Performance Index (SPI) - er umfasst auch die Middle und Small Caps - hat es im Juni/Juli "bloss" auf 7,21% gebracht. Daraus lässt sich unschwer schliessen, dass die mittelgrossen und kleinen Aktien deutlich zurückgeblieben sein müssen. Und tatsächlich: Der SPI Middle gewann im Juni/Juli bloss 2,62% und der SPI Small weist gar eine Negativperformance von -3,82% aus.

Das ist nicht wirklich ein gutes Zeichen. Wenn den "Mittleren" und "Kleinen" die Puste ausgeht, könnte es bald auch um die Puste der Grossen geschehen sein.

ch-Aktienmarkt unverändert im Korrekturmodus ...

Im Gegenzug zum markanten Anstieg des SMI hat sich die 20-Tage-Volatilität deutlich zurückgebildet. Für den Freitag, 03. August, rechnet sich gerade noch Wert von 9,84%. Tiefe Volatilitäten sind zwar ein schlechter Timing-Indikator; zur Vorsicht mahnen sie alleweil.

Zur Erinnerung: Am 05. März 2018 habe ich erstmals auf mögliche Parallelen zur Korrektur von August 2015 bis Februar 2016 hingewiesen. Wie ein Blick auf die beiden «Fenster» im nachstehenden Diagramm zeigt, sind – mit etwas «gutem Willen» − nach wie vor gewisse Parallelitäten erkennbar.

    Cross-over-regel gibt (noch) keine Entwarnung ...

    Ich habe meine Charts in den letzten Sommerwochen etwas ruhen lassen. Deshalb habe ich eigentlich erwartet, der starke Anstieg des SMI könnte das «Todeskreuz» von Mitte März − vor allem auf der Basis der von mir mir favorisierten exponentiell gleitenden Durchschnittslinien − aufgehoben haben. Viel fehlt(e) tatsächlich nicht.

      Ich meine, es kann nicht schaden, die Entwicklung sehr aufmerksam zu verfolgen. Der unberechenbare Wettergott jenseits des grossen Teichs ist drauf und dran, neue und womöglich heftige Gewitter auszulösen. Vermischen sich diese mit anderen Gewitterherden (weltweit rekordhohe Staats- und Privatverschuldung; zur sehr von Aktienrückkäufen und Steuererleichterungenn getriebene Unternehmensgewinne; fragile Regierungskoalitionen in Italien oder etwa in Deutschland, usw.), würde das nichts Gutes verheissen. Mag sein, dass der Schweizer Aktienmarkt in den kommenden Tagen noch etwas zulegen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den nächsten Wochen (August bis Oktober) neue Jahrestiefs sehen werden, stufe ich nichtsdestotrotz als hoch ein.


      Trendkanal-barometer indiziert moderate Überbewertung ...

      Für den Schweizer Aktienmarkt lässt sich für die letzten 92 Jahre ein fast idealtypischer Trendkanal ausmachen. Er bildet die Grundlage für mein Trendkanal-Aktienbarometer.

      Am Freitag, 03. August 2018, schloss der SPI mit 10'891.76 Punkten. Gemessen am trendneutralen Wert meines Trendkanal-Aktienbarometers von aktuell 10'047.47 SPI-Punkten, entspricht dies einem «Korrekturpotential» (Bewegung hin zum langjährigen Mittelwert) von rund 7,75%.

      In der langen Sicht ist dies eine bloss moderate Überbewertung.

      Moderate überebewertung wird von KGV-Barometer bestätigt ...

      Mein Aktienbarometer auf der Basis des Trendkanal-Konzepts verwende ich gerne für die Positionierung in der langen Sicht. Für die mittelfristige Einordnung ziehe ich - nicht zuletzt aufgrund seiner Einfachheit - das Markt-P/E zurate.

        Aufgrund der Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate rechnet sich per 03. August 2018 ein Markt-P/E (KGV) von 17,45. Entsprechend wird am CH-Aktienmarkt im Schnitt rund 17.5-mal der erwartete Gewinn bezahlt.  

        Gemessen am mittleren KGV von rund 16.0 (31.12.1995 - 31.07.2018), ist der CH-Aktienmarkt zurzeit (03.08.2018) rund 10% zu teuer. Wie das folgende Diagramm zeigt, ergäbe sich bei einem Markt-P/E von 16.0 eine «faire» Notierung von 9'987.20 SPI-Punkten. Einschränkend ist festzuhalten, dass die Gewinnerwartungen der Finanzanalysten nach wie vor ausgesprochen optimistisch sind. Immerhin: In jüngster Zeit sind die Gewinnprognosen im Schnitt nicht mehr angehoben worden.

          zusammenfassung

          Der Versuch, den CH-Aktienmarkt zu positionieren, führt sowohl aus der kurzen als auch aus der langen Sicht zu keiner positiven Einschätzung. In den kommenden Wochen (August bis Oktober) ist die Gefahr gross, dass der SMI wieder deutlich unter die 9'000 Punkte-Marke und der SPI deutlich unter die 10'000 Punkte-Marke sinken wird. Dafür sprechen bspw. die von grosskapitalisierten Titeln getragenen Avancen, die von den mittel- und kleinkapitalisierten Titeln nicht bestätigt werden. Auch ausgewählte technische Signale − wie etwa der Verlauf der 50-/200-Tage-Linien − rechtfertigen keinen Optimismus. Die technisch begründete Vorsicht wird zudem fundamental bestätigt: Ein Markt-P/E von 17.5 verheisst keinen Höhenflug. Wer investiert ist, kann sich mit einer wohldosierten Menge Puts oder mit Short Futures absichern. Wer Liquidität in der Hinterhand hat, greift bei sinkenden Kursen etappiert zu.

          Max Lüscher-Marty, 07.08.2018