Vorbemerkung

Wenn Sie diese Seite zum ersten Mal besuchen:

Lesen Sie zunächst die einführenden Erläuterungen zum Aktienbarometer Schweiz!

Meine Einschätzungen verstehen sich als Beitrag zur Meinungsbildung – nicht mehr, aber hoffentlich auch nicht weniger. Finanzmärkte im Allgemeinen und Aktienmärkte im Besonderen verhalten sich zu oft wie ungezogene Kinder. Sie halten sich nicht gerne an Regeln, auch wenn diese zuweilen durchaus vernünftig erscheinen.

Ich halte mich im Folgenden konsequent an den Swiss Performance Index (SPI). Der SPI ist bekanntlich ein Total Return Index und umfasst alle an der SIX primär kotierten Aktien (ohne Investmentgesellschaften). Er zeigt die Entwicklung des Aktienmarktes Schweiz unter der Annahme, dass die Bruttodividenden unmittelbar reinvestiert werden. Anders der SMI: Er behandelt die Dividenden ex und umfasst bloss die 20 «Grossgewichte». Das Gewicht der Titel mit dem grössten Marktwert (NESN, NOVN, ROG) beträgt maximal 18%.       

Zizers, 19. September 2019
Max Lüscher-Marty
   

aktienbarometer Schweiz per 18.09.2019: Die lange Sicht

Am Mittwoch, 18.09.2019, schloss der SPI mit 12'152.90 Punkten. Gemessen am neutralen Wert (Mittelwert) meines Trendkanals von aktuell 10'948.07 Punkten, entspricht dies einer «Überbewertung» von 11,00%!

Der mittlere Erwartungswert des SPI per 31.12.2019 beträgt 11'187.46 Punkte. Das Korrekturpotenzial bis Ende Jahr rechnet sich auf dieser Basis mit rund 8% (–7.94%).

Das aktuelle (unmittelbare) Korrekturpotenzial rechnet sich, bezogen auf eine trendneutrale Bewertung, mit –9,91%:

    Zwischenergebnis: Orientiert man sich an der «neutralen» Bewertung, kann von einem «irrationalen Überschwang» nicht die Rede sein. Trotzdem: Die letzte grosse Korrektur wurde ausgelöst, als mein Aktienbarometer eine Überbewertung von «bloss» 12,43% anzeigte. Vom 15.04.2010 (SPI: 6'124.16) bis zum 10.08.2011 (SPI: 4'395.38) gab der SPI um fast 30% (-28,23%) nach!

    aKTIENBAROMETER sCHWEIZ PER 18.09.2019: Die mittlere Sicht

    Aufgrund der Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate rechnet sich per 18.09.2019 ein Markt-P/E (Markt-KGV) von 18.34. Entsprechend wird am CH-Aktienmarkt im Schnitt rund 18.3-mal der erwartete Gewinn bezahlt. Gemessen am mittleren P/E (KGV) von rund 16.0 (31.12.1995 - 31.08.2019), ist der CH-Aktienmarkt zurzeit (18.09.2019) um rund 14,65% «überbewertet». Das Korrekturpotenzial rechnet sich mit 12,75%.

      Unterstellt man ein nachhaltiges Markt-P/E (Markt-KGV) für den Aktienmarkt Schweiz von 16.0, ergibt sich per 18.09.2019 ein «fairer» Indexstand für den SPI von 10'602.54 Punkten. Basierend auf einer Standardabweichung von 3,20 P/E-Punkten rechnet sich für den SPI mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 68% eine Bandbreite von 8'482.03 bis 12'723.05 Punkten. Nimmt man die Bandbreite zum Nennwert, ist Optimismus nicht wirklich angesagt - eine gute Portion Skepsis dagegen schon!

        Zwischenergebnis: Orientiert man sich an einer «fairen» Bewertung bei einem Markt-P/E von 16 und nimmt man die Gewinnschätzungen der Analysten zum Nennwert, besteht – gleich wie in der langen Sicht  im Prinzip nicht wirklich Anlass zur Sorge ...

        ... Aber eben nur im Prinzp: Die Erfahrung lehrt, dass Analysten in Haussephasen zu hohe Gewinne prognostizieren und in Baissephasen zu tiefe. Zwar sind die (zu hohen) Gewinnerwartungen vom Frühjahr inzwischen etwas zurückgenommen worden; sie sind aber womöglich immer noch zu hoch. Die jüngsten Entscheide des US-Fed, der EZB, aber auch der Notenbanken in China und Japan, die Wirtschaft mit noch mehr Geld und/oder noch tieferen Zinsen zu stimulieren, dürften wirkungslos bleiben. Weder die Aktienbörsen und schon gar nicht die Wirtschaft werden davon profitieren. Ob man es wahrhaben will oder nicht: Nachlassende Wachstumsraten des BIP-real werden sich eher früher als später an den Aktienmärkten (negativ) bemerkbar machen.      

        Und zur Erinnerung: Die letzte - ganz grosse Korrektur - wurde bei einem P/E (KGV) von «bloss» 16.03 ausgelöst! Vom 31.05.2007 (SPI: 7'682.32) bis zum 28.02.2009 (SPI: 3'929.92) gab der SPI um fast 50% (-48,84%) nach!


        aKTIENBAROMETER sCHWEIZ PER 18.09.2019: dIE KURZE sICHT

        Am Montag, 18. Februar 2019, hat die exponentiell gleitende 50-Tage-SPI-Durchschnitts-Linie die 200-Tage-Linie von unten nach oben durchstossen und mithin – sechs Tage nach dem SMI – ein «Goldenes Kreuz» (golden cross) generiert. Dies, so habe ich Anfang April argumentiert, dürfte nicht wenige Zauderer bewogen haben, ihre Skepsis abzulegen und in den Börsen-Schnellzug einzusteigen.

        Vom 31.12.2018 (9'830.06) bis zum 06.09.2019 (12'266.71) hat der SPI um nicht weniger als 24,97% zugelegt! Per 18.09.2019 (12'152.90) ergibt sich immer noch ein Plus von 23,63%. Da stellt sich unweigerlich die Frage, wie lange das noch gut gehen kann und ob aus technischer Sicht das «Ende der Fahnenstange» absehbar ist. Ein Blick auf den obigen Chart macht fürs Erste deutlich, dass der «Spread MAV-50-200», das heisst, der Abstand zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie zur Zeit (18.09.2019: 507.72) recht hoch ist. Es wird aber auch klar, dass hohe Spreads nicht aussgewöhnlich sind und sich ziemlich lange halten können. Abstürze im Kontext hoher Spreads lassen sich zwar immer wieder beobachten; aber ein zuverlässiger Korrekturindikator sind hohe Spreads nicht. Bedeutsam könnte jedoch sein, dass der Spread seit seinem jüngsten Höchst (632.98 am 09.07.2019) nachgegeben hat. Die Trendwende könnte also eingeläutet sein!

        Hinweise auf eine bevorstehende Trendwende lassen sich auch im folgenden Diagramm ablesen:  

          Wie das obige Diagramm zeigt, hat der SPI die Widerstandslinie von rund 11'000 SPI-Punkten Anfang März 2019 durchbrochen. Optimisten fühlten sich dadurch bestätigt. Derzeit versucht der SPI – bereits zum zweiten Mal – aus dem mittelfristigen Trendkanal auszubrechen. An einen Erfolg glaube ich nicht, vielmehr an eine Gegenbewegung in Richtung unteres Ende des Trendkanals, d.h. in Richtung 10'000 SPI-Punkte. Den SMI sehe ich entsprechend (deutlich) unter 9'000 SPI-Punkten. Der folgende «Bollinger-Chart» stützt meine technische Einschätzung:

            Mein «Bollinger-Chart» zeigt die Entwicklung des SPI in Relation zum 200-Tage-Durchschnitt in Verbindung mit der Entwicklung der 200-Tage-Voaltiliität. Gibt die Volatilität nach, verengt sich das Band; legt die Volatilität zu, dehnt sich das Band aus. In jüngerer Zeit hat der SPI den oberen Rand des Bollinger-Bandes immer wieder berührt und teilweise sogar (leicht) überschossen. Das untere Ende des Bollinger-Bandes notiert aktuell bei 9'931.20 SPI-Punkten. In diesem Bereich könnte eine bevorstehende Talfahrt enden. Zu beachten ist, dass eine Korrektur die Volatilität ansteigen lässt und mithin die Bandbreite erhöht. Das Korrekturrisiko ist deshalb (noch) höher.

            Zusammenfassung

            Meine beiden Aktienbarometer für die lange und die mittlere Sicht signalisieren ein Korrekturpotenzial von rund –10% bzw. -12,75%. Wer (wirklich) langfristig denkt und handelt, nimmt dies, mehr oder weniger gelassen, zur Kenntnis und bleibt investiert.

            Die lange Sicht ist zwar wichtig(er). – Nichtsdestotrotz sind kurzfristige Ausschläge keine «quan­ti­té né­g­li­gea­ble». Beim vorletzten Update (13.06.2019) habe ich die Befürchtung geäussert, dass uns mit «hoher Wahrscheinlichkeit ein ziemlich heisser Börsensommer – vielleicht auch erst ein heisser Börsenherbst – bevorsteht». An dieser Einschätzung halte ich fest.

            Das Setzen von Stop-Loss-Limiten scheint mir ganz besonders angesagt. Wer investiert bleiben will – was durchaus Sinn macht –, sichert sich in kleinerem oder grösserem Umfang ab, sei es mit Puts oder Short-Futures.

            Zizers, 19. September 2019

            Nächstes Update: Ende Oktober/Anfang November 2019