Vorbemerkung

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Lesen Sie zunächst die einführenden Erläuterungen zu meinem Aktienbarometer Schweiz!

Meine Einschätzungen verstehen sich als Beitrag zur Meinungsbildung – nicht mehr, aber hoffentlich auch nicht weniger. Finanzmärkte im Allgemeinen und Aktienmärkte im Besonderen verhalten sich zu oft wie ungezogene Kinder. Sie halten sich nicht gerne an Regeln, auch wenn diese zuweilen durchaus vernünftig erscheinen.

Anders als bei meinen früheren Analysen, halte ich mich diesmal konsequent – also auch in der «kurzen Sicht» – an den Swiss Performance Index (SPI). Der SPI ist bekanntlich ein Total Return Index und umfasst alle an der SIX primär kotierten Aktien (ohne Investmentgesellschaften). Er zeigt die Entwicklung des Aktienmarktes Schweiz unter der Annahme, dass die Bruttodividenden unmittelbar reinvestiert werden. Der SMI behandelt die Dividenden ex und umfasst bloss die 20 «Grossgewichte». Das Gewicht der Titel mit dem grössten Marktwert (NESN, NOVN, ROG) beträgt maximal 18%.       

Zizers, 13. Juni 2019
Max Lüscher-Marty
   

aktienbarometer Schweiz per 12.06.2019: Die lange Sicht

Am Mittwoch, 12. Juni 2019, schloss der Swiss Performance Index (SPI) mit 11'909.10 Punkten. Das ist der höchste Wert seit Lancierung des SPI im Jahre 1987. Gemessen am neutralen Wert meines Trendkanal-Aktienbarometers von 10'772.05 SPI-Punkten, entspricht dies einer «Überbewertung» von 10,56%:

Das Korrekturpotential per 12.06.2019 rechnet sich, bezogen auf eine trendneutrale Bewertung, mit 9,97%:

    Zwischenergebnis: Orientiert man sich an der «neutralen» Bewertung, besteht nicht wirklich Anlass zur Sorge. Aber aufgepasst: Die letzte grosse Korrektur wurde ausgelöst, als mein Aktienbarometer eine Überbewertung von «bloss» 12,43% anzeigte. Vom 15.04.2010 (SPI: 6'124.16) bis zum 10.08.2011 (SPI: 4'395.38) gab der SPI um fast 30% (-28,23%) nach!

    aKTIENBAROMETER sCHWEIZ PER 12.06.2019: Die mittlere Sicht

    Aufgrund der Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate rechnet sich per 12. Juni 2019 ein Markt-P/E (Markt-KGV) von 17.87. Entsprechend wird am CH-Aktienmarkt im Schnitt rund 17.9-mal der erwartete Gewinn bezahlt. Gemessen am mittleren P/E (KGV) von rund 16.0 (31.12.1995 - 31.05.2019), ist der CH-Aktienmarkt zurzeit (12.06.2019) um rund 11,70% «überbewertet»

      Unterstellt man ein nachhaltiges Markt-P/E (Markt-KGV) für den Aktienmarkt Schweiz von 16.0, ergibt sich per 12. Juni 2019 ein «fairer» Indexstand für den Swiss Performance Index (SPI) von 10'664.67 Punkten. Basierend auf einer Standardabweichung von 3,20 P/E-Punkten rechnet sich für den SPI mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 68% eine Bandbreite von 8'531.73 bis 12'797.60 Punkten.

        Zwischenergebnis: Orientiert man sich an einer «fairen» Bewertung bei einem Markt-P/E von 16 und nimmt man die Gewinnschätzungen der Analysten zum Nennwert, besteht – gleich wie in der langen Sicht  nicht wirklich Anlass zur Sorge. Aber aufgepasst: Die letzte - ganz grosse Korrektur - wurde bei einem P/E (KGV) von «bloss» 16.03 ausgelöst! Vom 31.05.2007 (SPI: 7'682.32) bis zum 28.02.2009 (SPI: 3'929.92) gab der SPI um fast 50% (-48,84%) nach!


        aKTIENBAROMETER sCHWEIZ PER 12.06.2019: dIE KURZE sICHT

        Am Dienstag, 18. Februar 2019, hat die exponentiell gleitende 50-Tage-SPI-Durchschnitts-Linie die 200-Tage-Linie von unten nach oben durchstossen und mithin – sechs Tage nach dem SMI – ein «Goldenes Kreuz» (golden cross) generiert. Dies, so habe ich Anfang April argumentiert, dürfte nicht wenige Zauderer bewogen haben, ihre Skepsis abzulegen und in den Börsen-Schnellzug einzusteigen.

        Vom 31.12.2018 bis zum 12.06.2019 hat der SPI um nicht weniger als 21,05% zugelegt! Da stellt sich unweigerlich die Frage, wie lange das noch gut gehen kann und ob aus technischer Sicht das «Ende der Fahnenstange» absehbar ist. Ein Blick auf den obigen Chart macht fürs Erste deutlich, dass der «Spread MAV-50-200», das heisst, der Abstand zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie zur Zeit (12.06.2019: 542.18) recht hoch ist. Es wird aber auch klar, dass hohe Spreads nicht aussgewöhnlich sind und sich ziemlich lange halten können. Abstürze im Kontext hoher Spreads lassen sich zwar immer wieder beobachten; aber ein zuverlässiger Korrekturindikator sind hohe Spreads nicht.

        Mehr Aussagekraft hat im aktuellen Kontext womöglich die Analyse von Unterstützungs- und Widerstandslinien sowie von Trendlinien und Trendkanälen:  

          Wie das obige Diagramm zeigt, hat der SPI die Widerstandslinie von rund 11'000 SPI-Punkten Anfang März 2019 durchbrochen. Optimisten fühlten sich dadurch bestätigt. Jetzt macht sich der SPI sogar daran, aus dem mittelfristigen Trendkanal auszubrechen. Angesichts der aktuellen Unwägbarkeiten in Politik und Wirtschaft (Handelskrieg, gärende Staatsschuldenkrise, irritierende Zinssignale des US-Notenbankchefs, Rezessionsängste, BREXIT, Querelen rund um das Rahmenabkommen Schweiz-EU, usw.) glaube ich nicht an eine Fortsetzung des Höhenflugs. Vielmehr sehe ich eine Korrektur in Richtung des unteren Endes meines Trendkanals, also in Richtung 10'000 SPI-Punkte. Den SMI sehe ich entsprechend (deutlich) unter 9'000 Punkten.

          Der folgende «Bollinger-Chart» stützt meine Befürchtungen:   

            Mein «Bollinger-Chart» zeigt die Entwicklung des SPI in Relation zum 200-Tage-Durchschnitt in Verbindung mit der Entwicklung der 200-Tage-Voaltiliität. Gibt die Volatilität nach, verengt sich das Band; legt die Volatilität zu, dehnt sich das Band aus. In jüngster Zeit hat der SPI den oberen Rand des Bollinger-Bandes (12.06.2019: 11'863.54) nicht nur berührt, sondern sogar überschossen. Der SPI gilt mithin aus überkauft (overbought). Das untere Ende des Bollinger-Bandes (12.06.2019: 9'786.56) markiert das Korrekturpotential. Zu beachten ist, dass eine Korrektur die Volatilität ansteigen lässt und mithin die Bandbreite erhöht. Das Korrekturrisiko ist deshalb (noch) höher.

            Zusammenfassung

            Meine beiden Aktienbarometer für die lange und die mittlere Sicht signalisieren je eine Überbewertung von 10% bis 12%. Es gilt nach wie vor: Wer (wirklich) langfristig denkt und handelt, nimmt dies (gelassen) zur Kenntnis und bleibt investiert.

            Ich bin alles andere als ein ausgefuchster Chart-Techniker. Nichtsdestotrotz wage ich die Prognose, dass uns mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ziemlich heisser Börsensommer – vielleicht auch erst ein heisser Börsenherbst – bevorsteht.

            Das Setzen von Stop-Loss-Limiten  man kann diese bei weiter steigenden Aktienkursen jederzeit nach oben anpassen – erscheint mir aktuell besonders angezeigt. Wer investiert bleiben will – was durchaus Sinn macht –, sichert sich in kleinerem oder grösserem Umfang ab, sei es mit Puts oder Short-Futures.

            Zizers, 13./14. Juni 2019

            Voraussichtlich nächstes Update: Mitte August 2019