Vorbemerkung

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Lesen Sie zunächst die einführenden Erläuterungen zu meinem Aktienbarometer Schweiz!

Meine Einschätzungen verstehen sich als Beitrag zur Meinungsbildung – nicht mehr, aber hoffentlich auch nicht weniger. Finanzmärkte im Allgemeinen und Aktienmärkte im Besonderen verhalten sich zu oft wie ungezogene Kinder. Sie halten sich nicht gerne an Regeln, auch wenn diese zuweilen durchaus vernünftig erscheinen.

Zizers, 07. Mai 2019
Max Lüscher-Marty
   

aktienbarometer Schweiz per 30.04.2019: Die lange Sicht

Am Dienstag, 30. April 2019, schloss der SPI mit 11'735.16 Punkten. Gemessen am neutralen Wert meines Trendkanal-Aktienbarometers von 10'632.59 SPI-Punkten, entspricht dies einer «Überbewertung» von 10,37%:

Das Korrekturpotential per 30.04.2019 rechnet sich mit 9,40%:

    Zwischenergebnis: Die Einordnung in der langen Sicht gibt nicht wirklich Anlass zur Sorge. Die Überbewertung bzw. das Korrekturpotential ist nicht besorgniserregend hoch!


    aKTIENBAROMETER sCHWEIZ PER 30.04.2019: Die mittlere Sicht

    Aufgrund der Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate rechnet sich per 30. April 2019 ein Markt-P/E (Markt-KGV) von 17.52. Entsprechend wird am CH-Aktienmarkt im Schnitt rund 17.5-mal der erwartete Gewinn bezahlt. Gemessen am mittleren P/E (KGV) von rund 16.0 (31.12.1995 - 30.04.2019), ist der CH-Aktienmarkt zurzeit (30.04.2018) um rund 9,50% «überbewertet»

      Unterstellt man ein nachhaltiges Markt-P/E (Markt-KGV) für den Aktienmarkt Schweiz von 16.0, ergibt sich per 30. April 2019 ein «fairer» Indexstand für den Swiss Performance Index (SPI) von 10'719.18 Punkten. Basierend auf einer Standardabweichung von 2,20 P/E-Punkten rechnet sich für den SPI mit einer Wahrscheinlichkeit von 68% eine Bandbreite von 8'575.35 bis 12'863.02 Punkten.

        Zwischenergebnis: Für den Fall, dass man den mittleren Gewinnschätzungen der Analysten traut, kommt man auch hier zum Urteil einer nicht ausgesprochen hohen Überbewertung. Wie die Erfahrung zeigt, sind die Gewinnprognosen der Analysten jedoch oft zu optimistisch. Angesichts einer konjunkturellen Eintrübung ist deshalb die Wahrscheinlichkeit von Gewinnrevisionen «nach unten» besonders gross.


        aKTIENBAROMETER sCHWEIZ PER 30.04.2019: dIE KURZE sICHT

        Am Dienstag, 12. Februar 2019, hat die exponentiell gleitende 50-Tage-SMI-Durchschnitts-Linie die 200-Tage-Linie von unten nach oben durchstossen und mithin ein «Goldenes Kreuz» (golden cross) generiert. Dies, so habe ich Anfang April argumentiert, dürfte nicht wenige Zauderer bewogen haben, die Skepsis abzulegen und in den Börsen-Schnellzug einzusteigen.

        Die Frage ist, wer oder was den Börsen-Schnellzug stoppen kann oder ob es gar zu einer Entgleisung kommt.

        Am 01. April hat der SMI die Hürde von 9'500 SMI-Punkten übersprungen, am 23. April jene von 9'600 Punkten und drei Tage später auch jene von 9'700 Punkten. Mit 9'769.74 Punkten notiert der SMI per 30. April 2019 auf seinem historischen Höchststand. Optimisten rechnen damit, dass die 10'000er-Marke demnächst fallen wird und stellen voller Vorfreude den Champagner kalt.

        Ich meine, dass die Vorfreude verfrüht ist und sich schon bald eine Katerstimmung breit machen wird. Wenn ich den Blick auf das nachstehende Diagramm werfe, scheint mir der Widerstand im Bereich von 9'500 bis 9'700 Punkten keineswegs gebrochen. Spektisch macht mich auch die tiefe 20-Tage-Volatilität. Die 5,61% per 30. April liegen deutlich unterhalb der von mir als kritisch erachteten 8%-Grenze. Aber eben: Tiefe Volatillitäten sind zwar Anzeichen von (wieder erwachtem) Übermut und Sorglosigkeit - ein guter Timing-Indikator sind sie jedoch nicht.

          Sell in May and go away ...

          - but remember to come back in september.

          Jahr für Jahr wird im Wonnemonat Mai diese US-amerikanische Börsenweisheit aus der Mottenkiste geholt. Datenaffin wie ich nun mal bin, habe ich übers Wochenende herauszufinden versucht, ob dahinter nicht doch ein Körnchen Wahrheit steckt. Als Datengrundlage diente mir die gut dreissigjärige Geschichte des Swiss Performance Index (SPI) und des Swiss Market Index (SMI). Und hier die Ergebnisse:

          In den letzten 31 Jahren generierte der Swiss Performance Index (SPI) von Ende April bis Ende August eine mittlere Rendite von +1,19% – und von Ende April bis Ende September von +0,12%. In 15 von 31 Jahren war die Rendite von Ende April bis Ende August negativ. Von Ende April bis Ende September schlossen 13 Jahre im Minus. Zum Vergleich: Die ersten vier Monate (Januar bis April) generierten im Schnitt +4,74% und die letzten drei Monate (Oktober bis Dezember) +3,53%.

          Der Swiss Market Index (SMI) erzielte in den letzten 30 Jahren von Ende April bis Ende August eine mittlere Rendite von +0,45% und von Ende April bis Ende September von -0,71%. In 15 von 30 Jahren endete die Periode vom 30.04. bis zum 31.08. mit einer Minusrendite. In der Periode vom 30.04. bis zum 30.09. war das Ergebnis in 13 von 30 Jahren negativ. Zum Vergleich: Die ersten vier Monate (Januar bis April) generierten im Schnitt +2,58% und die letzten drei Monate (Oktober bis Dezember) +4,15%.

          In der Börsenweisheit «sell in may and go away ...» steckt offenbar mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Leider sagt sie uns nicht, in welchen Jahren sie passt und in welchen nicht.

          Zusammenfassung

          Meine beiden Aktienbarometer für die lange und die mittlere Sicht signalisieren je eine Überbewertung von rund 10%. Die Überbewertung ist ein paar Prozentpunkte höher als Ende März. Trotzdem: Wer (wirklich) langfristig denkt und handelt, nimmt dies gelassen zur Kenntnis und bleibt investiert.

          In der kurzen Sicht sehe ich – wie schon Anfang April – ein recht hohes Korrekturrisiko. Die Wahrscheinlichkeit eines zwischenzeitlichen Absinkens des SMI unter die 9'000er-Marke veranschlage ich mit deutlich über 60%. Ich kann nur wiederholen: «Wenn Aktienmärkte vom Opium einer nach wie vor viel zu lockeren Geldpolitik eingelullt werden und die Gewinnerwartungen ins Kraut schiessen, ist äusserste Vorsicht angesagt.» Ein paar Franken in SMI-Short-Futures oder in SMI-Puts zu investieren, kann nach wie vor nicht schaden. Und – wie gesagt: «sell in may» ist im statistischen Mittel kein allzuschlechter Ratschlag.

          Zizers, 07. Mai 2019

          Voraussichtlich nächstes Update: Anfang Juni 2019