Kundengelder

Kundengelder wurden bis Ende 2014 in folgenden drei Passivpositionen ausge-
wiesen: Verpflichtungen gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform, Übrige Ver-
pflichtungen gegenüber Kunden, Kassenobligationen.

Die seit 2015 gültigen Rechnungslegungsvorschriften für Banken, Effektenhändler,
Finanzgruppen und -konglomerate unterscheiden nur noch zwischen Verpflichtun-
gen aus Kundeneinlagen und Kassenobligationen. Aus den Einzelabschlüssen
ist deshalb die Aufteilung in kündbare Gelder (Spar- und Anlagegelder) einerseits
und Sicht- und Zeitgelder (übrige Verpflichtungen) anderseits nicht mehr ersicht-
lich. Das ist nicht wirklich ein Fortschritt. Schön, dass die SNB die Fortführung der
Datenreihen trotzdem sicherstellt ...

Im Folgenden halte ich mich an die vertraute Dreiteilung in Spar- und Anlagegelder,
Sicht- und Zeitgelder sowie Kassenobligationen.


Kundengeldsätze auf historischem Tief ...

Die durchschnittliche Verzinsung für Spargelder seit 1830 rechnet sich mit 3.30%,
jene für Kassenobligationen seit 1870 mit 3.80% und jene für 3-Monats-Festgelder
seit 1900 mit 2.36%. Seit es Zinsaufzeichnungen gibt, waren die Kundengeldsätze
noch nie so tief wie im Jahre 2016.

"Sparparadoxon" ...

Eine besondere Art von Sparparadoxon lässt sich bei den Spar- und Anlagegeldern
beobachten. Sinkende Zinsen führen zu einem Zufluss von Spar- und Anlagegeldern,
steigende Zinsen zu einem Abfluss.

Bis Ende 2016 hat sich ein bedeutendes Potential an "Wartegeldern" aufgestaut.
Wartegelder fliessen ab, wenn alternative Investments (z.B. festverzinsliche Papiere,
Aktien, Edelmetalle, usw.) eine angemessene risikoadjustierte Rendite verheissen.

Hohe Wartegeldpositionen auf Sicht und auf Zeit ...

Per 31.12.2016 weist die schweizerische Bankenstatistik Sicht- und Zeitgelder von
insgesamt CHF 1'097.376 aus. Davon qualifizieren sich CHF 894.950 Mia. als Sicht-
und CHF 202.426 Mia. als Zeitgelder.

Über Sichtgelder (Kontokorrentguthaben) können die Bankkunden sofort verfügen.
Aber auch Zeitgelder sind überwiegend kurzfristig angelegt. Nur knapp 38% der
Zeitgelder haben eine Restlaufzeit von mehr als drei Monaten. Entsprechend hoch
ist das Abrufrisiko.

Sterben die Kassenobligationen aus ...?

Im Jahre 1991 machten die Kassenobligationen noch 17.75% der Kundengelder aus
(117.441 Mia. von 661.551 Mia.). Heute sind es gerade noch 0.62% (11.119 Mia. von
1'781.713 Mia.). Einerseits sind Kassenobligationen sehr zinssensitiv, anderseits
haben sie in Form von Termingeldern (Zeitgelder mit Laufzeiten von Kassenobliga-
tionen) bankinterne Konkurrenz erhalten.