Ertragsbilanz Schweiz: Veritabler Erfolgsausweis der Exportwirtschaft ...

Die Zahlungsbilanz umfasst drei Komponenten: die Ertragsbilanz, die Bilanz der
Vermögensübertragungen und die Kapitalverkehrsbilanz. 

Die Ertragsbilanz ist keine Bilanz, sondern vielmehr eine Art Erfolgsrechnung des
Aussenhandels. Sie erfasst den grenzüberschreitenden Austausch von Gütern
(Waren) und Diensten, die Kapital- und Arbeitseinkommen vom Ausland und an
das Ausland sowie die laufenden Übertragungen. Sind die Deviseneinnahmen aus
dem Export grösser als die Devisenausgaben aus dem Import, resultiert ein Er-
tragsbilanzüberschuss, andernfalls ein Ertragsbilanzdefizit. Ertragsbilanzüber-
schüsse sind für die Schweiz typisch.

Im neuen Jahrtausend hat sich die Ertragsbilanz der Schweiz wie folgt entwickelt:

Diagramm als pdf


Für das Jahr 2015 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Ertragsbilanz-
überschuss von CHF 72.970 Mia. ermittelt. Die Deviseneinnahmen der schweizeri-
schen Exportwirtschaft werden mit CHF 557.406 Mia. angegeben und die Devisen-
ausgaben mit CHF 484.436 Mia. Etwas salopp ausgedrückt, ist die Schweiz im Jah-
re 2015 gegenüber dem Ausland um CHF 72.970 Mia. reicher geworden.


Ertragsbilanz Schweiz 2015

Der schweizerische Ertragsbilanzüberschuss 2015 von CHF 72.970 Mia. basiert
auf drei Säulen: dem Überschuss von CHF 53.758 Mia. aus dem internationalen
Warenhandel, dem Überschuss von CHF 16.480 Mia. aus dem Dienstleistungs-
export/-import (Versicherungs-/Finanzdienste, Lizenzen, Tourismus, Telekommu-
nikation, usw.) und dem Überschuss von 35.935 Mia. aus den Kapitaleinkommen
(Finanzanlagen, Direktinvestitionen) aus dem Ausland bzw. an das Ausland.

Erfolgsmindernd ist der Saldo der Arbeitseinkommen von CHF 21.327 Mia. Die
Schweiz gibt deutlich mehr Grenzgängern Arbeit als umgekehrt. Aus laufenden
Übertragungen (z.B. AHV-/PK-Leistungen) resultierte per Saldo ein Devisenab-
fluss von CHF 11.876.

Bilanz der Vermögensübertragungen, Kapitalverkehrsbilanz Schweiz 2015

Gleich wie die Ertragsbilanz sind auch die (Bilanz der) Vermögensübertragungen
und die  Kapitalverkehrsbilanz keine Bilanzen im betriebswirtschaftlichen Sinne.
Sie erklären vielmehr, wie der Ertragsbilanzüberschuss im Ausland investiert bzw.
ein Ertragsbilanzdefizit aus dem Ausland refinanziert worden ist. Aufgezeigt wer-
den also bloss die Veränderungen von Auslandaktiven bzw. Auslandpassiven in
einem bestimmten Jahr. Unter dem Strich muss die Zahlungsbilanz theoretisch
ausgeglichen sein. Deshalb erhalten Investitionen an das Ausland ein Minuszei-
chen und Investitionen aus dem Ausland ein Pluszeichen.

Die schweizerische Bilanz der Vermögensübertragungen - sie misst die unent-
geltlichen Kapitalleistungen (z.B. Schuldenerlasse, Schenkungen) und die Über-
tragung nicht produzierter Sachvermögen (z.B. Grund und Boden) - weist für das
Jahr 2015 eine Zunahme der Auslandguthaben von CHF 14.135 Mia. auf.

Die Kapitalverkehrsbilanz ist unterteilt in Direktinvestitionen (Beteiligungen, Kre-
dite von Nichtbanken), Portfolioinvestitionen (Zins-, Dividendenpapiere), übrige
Investitionen (v.a. Bankkredite) und Währungsreserven der Notenbank. Insge-
samt ergibt sich für das Jahr 2015 ein Saldo der schweizerischen Kapitalverkehrs-
bilanz von -62.535 Mia (-1.385, -53.588, +87.050, -94.612). Entsprechend übertraf
im Jahre 2015 der Nettozugang an Aktiven den Nettozugang an Passiven um CHF
62.535 Mia.

Der Restposten bzw. die statistische Differenz beziffert sich auf CHF 3.699 Mia.