Bruttoinlandprodukt BIP und BIP-Komponenten seit 1994

Die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) der Schweiz basieren seit
2014 auf dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen
von 2010 (ESVG 2010). Als Folge davon ist das BIP-Niveau statistisch um rund
5% angehoben worden. Betroffen sind die Höhe der Bruttinvestitionen (neu:
Mitberücksichtigung von F&E-Investitionen) und der Export-/Importsaldo von
Waren und Dienstleistungen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat die
Datenreihe bis zurück ins Jahr 1980 angepasst.

Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der BIP-Komponenten (C = Privatkon-
sum, G = Staatskonsum, I = Bruttoinvestitionen, X-M = Export-/Importsaldo Waren
und Dienstleistungen) für die letzten 21 Jahre.


BIP nominell und real seit 1948

Seit 1948 ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz um das gut 29-fache von
CHF 21.969 Mia. auf CHF 639.026 Mia. gestiegen. Das durchschnittliche BIP-Wachs-
tum pro Jahr rechnet sich mit 5,16%. Bereinigt um die Teuerung, nimmt sich das
BIP-Wachstum deutlich bescheidener aus. Das reale BIP-Wachstum pro Jahr be-
trägt "bloss" 2.52%. Die hohen realen Wachstumsraten der 1950er und 1960er-
Jahre von 4,47% bzw. 4,74% wurden in der Folge nicht mehr erreicht (1970er-Jah-
re: 1,57%, 1980er-Jahre: 2,28%, 1990er-Jahre: 1,15%, 1999-2009: 1,97%).


Entkoppelung des CH-Aktienmarktes vom Bruttoinlandprodukt ...

Seit Mitte der 1990er-Jahre scheint sich der CH-Aktienmarkt vom Wachstum des
schweizerischen Bruttoinlandprodukts (BIP) abzukoppeln. Während das BIP seit
seit 1993 nominell um 64,18% gewachsen ist, hat der CH-Aktienmarkt (ohne
Dividendenreinvestition) um nicht weniger als 207.94% zugelegt. Das kann eine
Folge der ausgeprägten Internationalität der Schweizer Aktienschwergewichte
(Novartis, Nestlé, Roche, usw.) sein. Es könnte aber auch als Indiz für eine Über-
bewertung gelten. Zumindest war die "Entkoppelung" in der zweiten Hälfte der
fünfziger / Anfang der sechziger Jahre nicht nachhaltig.

Reale BIP-Entwicklung und CH-Aktienmarktrenditen sind unkorreliert ...

Aktieninvestoren sind in aller Regel davon überzeugt, dass gute Wirtschaftsdaten
die Aktienmärkte positiv beeinflussen und umgekehrt. Entsprechend aufmerksam
werden Prognosen zur Entwicklung des realen Bruttoinlandprodukts studiert.

Da überrascht es schon, dass sich für die Schweiz anhand von Jahresdaten zwi-
schen 1948 und 2015 kein Zusammenhang zwischen der jährlichen BIP-Entwicklung
und den jährlichen Aktienmarktenditen ergibt. Die Korrelation, das statistische Mass
für den Gleich-bzw. Ungleichlauf zweier Zahlenreihen, ergibt einen Wert von prak-
tisch Null. Mit anderen Worten: Ein gutes oder ein schlechtes Wirtschaftsjahr ist
keineswegs gleichbedeutend mit einem guten bzw. schlechten Aktienjahr. Das fol-
gende Diagramm macht dies deutlich: